fine art contemporary
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Norbertine Bresslern-Roth

1891 Graz - 1978 Graz

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Wasserbüffel 1966

Öl auf Jute
105 x 95,5 cm
Signiert links unten: B. ROTH Rückseitig bezeichnet auf altem Klebeetikett: "BÜFFEL" ÖL N. v. Bresslern-Roth.

Provenienz

Privatsammlung Graz

Literatur

Christa Steinle (Hg.), Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin, Ausstellungskatalog, Universalmuseum Joanneum, Neue Galerie Graz, Graz 2016/2017, Abb. S. 124, Wkv.Nr. 371, m. Abb.; Helene Martischnig, Norbertine Bresslern-Roth (1891-1978). Das malerische Werk, Diplomarbeit an der Universität Graz, Graz 1994, Abb. S. 298
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Langtext

Norbertine Roth wurde 1891 in Graz geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen bei ihrer Mutter auf. Ihre Begabung wurde schon früh von ihrem Volksschullehrer erkannt, der sich dafür einsetzte, dass sie 1907 am Zeichen- und Malunterricht der steirischen Landeskunstschule teilnehmen durfte. In den Sommermonaten der Jahre 1909/1910 besuchte sie die renommierte Tiermalschule in Dachau bei München unter Hans von Hayek. Ferdinand Schmutzer war von der jungen Künstlerin so beeindruckt, dass er sie bereits nach einem Jahr Studium in sein Atelier an der Akademie aufnahm. Nach einer erfolgreichen Ausstellung in der Wiener Secession 1916 kehrte sie nach Graz zurück, um sich als freischaffende Künstlerin niederzulassen. Mit der ersten „Norbertine Roth Sonderausstellung“ (1918), zeitgleich mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, konnte sie sich in Graz mit großem Erfolg etablieren. 1919 heiratete sie Georg von Bresslern, den sie in Wien kennengelernt hatte und trat im selben Jahr auch der Künstlerorganisation „Werkbund Freiland“ bei. Seit den 1920er Jahren beschäftigte sich die Künstlerin intensiv mit dem drucktechnischen Verfahren des Linolschnittes und schuf von 1921 bis 1952 in dieser faszinierenden Technik hunderte aufwendig konzipierte Tierdarstellungen. Daneben illustrierte sie zahlreiche Kinder- und Märchenbücher und schuf Gobelins sowie feine Elfenbeinminiaturen. 1932 wurde Norbertine Bresslern-Roth der Professorentitel und 1936 der Österreichische Staatspreis verliehen. 1978 verstarb die Künstlerin in Graz. Zeit ihres Lebens war sie mit dem Landesmuseum Joanneum durch langjährige Zusammenarbeit und zahlreiche Schenkungen verbunden. 2016 widmete ihr die Neue Galerie Graz eine großangelegte Retrospektive. Der Wasserbüffel (Bubalus arnee), so lesen wir z.B. in Wikipedia, ist die am weitesten verbreitete und bekannteste Art der Asiatischen Büffel, die bis auf wenige Ausnahmen seit langer Zeit domestiziert wurden. Sie eignen sich vortrefflich als Last- und Zugtiere zum Pflügen von Reisfeldern, geben Milch, Fleisch und Leder. Die Grazer Malerin Norbertine Bresslern-Roth wird keinen Wasserbüffel je in natura gesehen haben, selbst nicht in den vielen Tiergärten, die sie vor allem in den 1920er Jahren in Europa besucht hatte. Das Bild über ihr Aussehen und Informationen über ihre Lebensweise kannte sie wohl nur aus Zeitschriften und diversen Tierlexika. Für Bresslern-Roth fand das Reisen in ferne Länder sprichwörtlich im Kopf statt. Mittels zahlreicher Studien in den Tiergärten, ihrer Teilnahme an den für uns heute eher skurril anmutenden Völkerschauen und dem aufmerksamen Studium der Literatur las und fühlte sie sich in das Leben auch exotischer Tiere ein und versetzte sie aus den Käfigen in ihre natürliche Lebenswelt. Wie durch ein Fernrohr gesehen zoomt die Künstlerin in diesem Bild die im Wasser genüsslich ruhenden Büffel ganz nah an den Bildrand heran. In einer raffinierten Komposition der mächtigen Rinderleiber in einer vertikal-ovalen Anordnung wird Nähe und Tiefe sowie eine sanfte rhythmische Drehbewegung erzielt, die durch das feine Changieren der Grau- und Brauntöne noch unterstrichen wird. Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen der offensichtlichen Nähe und der dennoch distanzierten Verschwommenheit der Konturen und Farben, die die Malerin mit der für sie typischen Malweise auf grober Jute erzielt. In diesem Spätwerk beweist Norbertine Bresslern-Roth einmal mehr, dass sie zurecht als eine der bedeutendsten Tiermalerinnen ihrer Zeit gewürdigt wird.