fine art contemporary
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Norbertine Bresslern-Roth

1891 Graz - 1978 Graz

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Antilopenjagd 1962

Öl auf Jute
98,5 x 66,5 cm
Signiert rechts unten: B. ROTH

Provenienz

Privatsammlung Graz

Literatur

Christa Steinle (Hg.), Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin, Ausstellungskatalog, Universalmuseum Joanneum, Neue Galerie Graz, Graz 2016/2017, Abb. S. 301, Wkv.Nr. 334, m. Abb.; Michael Stoff (Hg.), Bresslern-Roth. Eine Hommage im St. Veiter Schloessl zu Graz, Graz 2003, Abb. o. S.; Helene Martischnig, Norbertine Bresslern-Roth (1891-1978). Das malerische Werk, Diplomarbeit an der Universität Graz, Graz 1994, Abb. S. 263; Rudolf List, Zum Tod von Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin von hohem Rang, in: Tagespost, Graz, 5. 12. 1978, S. 10; Otto Pascher (Hg.), Norbertine v. Bresslern-Roth. Gemälde, Graz-Wien 1971, m. Abb. o. S.
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Langtext

Bereits in der Zwischenkriegszeit war Norbertine Bresslern-Roth in Kunstkreisen eine Berühmtheit und galt schon bald als bedeutendste österreichische Tiermalerin. Ihre fulminante Renaissance bei Sammlern in der ganzen Welt erfolgte in den letzten Jahren im Kontext einer internationalen Wiederentdeckung der Tiermalerei bzw. -bildhauerei von bedeutenden Künstlern wie Rosa Bonheur (1822-1899), Wilhelm Kuhnert (1865-1926), Franz Barwig d.Ä. (1868-1931) oder Renée Sintenis (1888-1965). Ihren künstlerischen Fokus hatte Norbertine Bresslern-Roth schon ab den frühen 1920er Jahren fast ausschließlich auf die Tiermalerei gerichtet, wobei neben der Pracht und Vielfalt heimischer Fauna häufig auch exotischen Tierwelten der Wüsten, Savannen und Regenwälder im Vordergrund stand. Ob als Studien für große Ölgemälde, als Vorlagen für zahlreiche Buchprojekte oder als Entwürfe für ihr umfangreiches druckgrafisches Werk entstand ein in der österreichischen Kunst einzigartiges Panoptikum an Darstellungen, die nicht bloß durch die naturalistische Feinheit und Präzision der Darstellung, sondern gleichermaßen durch die so lebendig eingefangenen Charaktere der tierischen Protagonisten begeistert. Nebenstehendes Gemälde wirkt wie ein Ausschnitt von einem großen Ganzen und nimmt doch ganz gezielt den dramatischen Augenblick einer sterbenden, von Speeren getroffenen Antilope in einem betont schmalen hochrechteckigen Rahmen in den Fokus. In diesem Drama zeigt sich viel Schönheit: Ganz nah, fast voyeuristisch führt uns die Malerin an dieses wunderbare Tier heran, modelliert im feinen Farb- und Linienspiel sein schönes Gesicht, ganz Ausdruck der sich in seinem Schicksal ergebenden Kreatur. In einer geschmeidigen, eleganten Kurve beugt sich der Hals zur Seite, gegengleich zur ausladenden Bogenbewegung der mächtigen Hörner und zu der fast schmerzhaft sich dagegen stemmenden Diagonale des geknickten Vorderbeins. Ganz verdreht liegt das andere Bein schon am Boden, und wir wissen, der mächtige Körper wird kurz danach zusammenfallen – zur Freude der bereits im Hintergrund heranlaufenden Jäger mit ihren wehenden Tüchern und erhobenen Speeren. Im Oeuvre von Norbertine Bresslern-Roth nimmt die Jagd – und hier sind die Tiere der Wildnis einmal die Jäger, dann wieder die Gejagten – einen wichtigen Themenkomplex ein, der sich durch ihr ganzes Werk zieht. Das Jagen und Gejagt werden gehören zu den Gesetzen der Natur, was die Malerin in verschiedenen, immer neu erdachten Kompositionen eindrucksvoll zu vermitteln versteht. Bei diesem Bild der sterbenden Antilope findet sich aber in seltener Konzentriertheit noch ein weiterer Aspekt: die Relativität von Zeit. Die Künstlerin zelebriert quasi einen Moment, der zeitlich nur ein Augenblick ist, indem sie die Schnelligkeit des Todes wie in einer Zeitlupe ablaufen lässt. Vom Treffpunkt der Speere bis zum Zusammenbruch ist alles in dieser einen Bewegung des Tierkörpers festgehalten, Vor- und Nachspiel des Geschehens werden sozusagen gleichzeitig in einem Blick fassbar gemacht. Somit können wir quasi zeitlich unbegrenzt die noch lebendige Antilope bewundern und studieren: das herrliche Rotbraun ihres Fells, die kräftigen Muskeln, die Struktur ihrer Hörner. Die Unfassbarkeit des Faktors Zeit findet in diesem Bild von Norbertine Bresslern-Roth eine bemerkenswerte, malerisch meisterhafte künstlerische Umsetzung.