fine art contemporary
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Gerhild Diesner

1915 Innsbruck - 1995 Innsbruck

Biographie  Email

Stillleben mit Orangen, Pomelo und Rotwein 1992

Öl auf Leinwand
64,2 x 85,9 cm
Signiert rechts unten: Diesner
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Diesner (19)92 / Pommelo (sic!)

Provenienz

Privatbesitz Österreich

Literatur

Galerie Maier Innsbruck (Hg.), Gerhild Diesner. Zum 100. Geburtstag, Ausstellungskatalog, Innsbruck, 2015, Abb. S. 43 (mit irrtümlicher Datierung); Vgl.: Matthias Boeckl, Gerhild Diesner 1915-1995, Kunstinitiative Tirol, Innsbruck 2007; Günther Dankl, Diesner, Ausstellungskatalog, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck, Innsbruck 1995
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Langtext

Als „exotischen Vogel in Tirol, der eigentlich überhaupt nichts Tirolerisches an sich gehabt hat“ , charakterisierte ihr Freund und Mentor Paul Flora Gerhild Diesner einmal auf sehr persönliche und wertschätzende Art. Auf jeden Fall und zu Recht gilt die Künstlerin heute als „Grande Dame“ der Tiroler Malerei, hat sie doch durch ihre Ausbildung und ihr breites malerisches Oeuvre die verschiedenen Strömungen der französischen Avantgarde in den Diskurs der österreichischen Nachkriegskunst integriert. Die analytische Strenge ihres großen Pariser Mentors André Lhote, die bahnbrechenden formalen Reduktionen von Paul Cézanne oder Henri Matisse sowie die bislang unbekannten Farberuptionen der Fauves prägten seit den 1950er Jahren in unverwechselbarer Weise Gerhild Diesners Malerei, die seitdem aus der österreichischen Kunstgeschichte nicht mehr wegzudenken ist. „Mit Maria Lassnig und Gerhild Diesner waren es zwei Malerinnen“ hebt Matthias Boeckl ihre kunsthistorische Bedeutung hervor, „welche die Schlüsselbeiträge für die Rezeption von Fauvismus, Kubismus und Informel in Österreich lieferten“. Das Stillleben ist zeitlebens eines ihrer großen Leitthemen, die mit nebenstehendem Beispiel „Stillleben mit Orangen, Pomelo und Rotwein“ besonders schön repräsentiert sind. In Fortführung der Ikonografie Henri Matisses aus den 1940er Jahren verfeinert Gerhild Diesner konsequent die in die Fläche hochgeklappten Raum- und Landschaftsausschnitte, in denen Früchtestillleben, Häuser, Figuren und Landschaftsformationen nicht hintereinander geschichtet, sondern mit Abständen, bewusst „naiv“, über- und nebeneinander gesetzt sind. Leuchtend reine Farbflächen in Komplementärkontrasten bestimmen nun weitgehend autonom das Bildgeschehen, während der Pinselduktus als bewusst strukturierendes Stilmittel in kurzen, flotten Strichen stets sichtbar bleibt. In unseren geradezu „klassisch“ ausformulierten, mediterranes Flair assoziierenden Stillleben arrangiert Gerhild Diesner in stark aufsichtigen Bildräumen eigenwillige Kompositionen aus südlichen Früchten und Küchenaccessoires. Naturelemente und menschliche Artefakte werden zu einem komplexen Zusammenspiel von symbolhaften Form- und Farbwerten kombiniert. Wie kostbares Email leuchten die Farben auf den verschiedenen Tischstillleben mit ihren wie zufällig hingewürfelten Früchten, Gläsern, Krügen, Messern – es sind Werke „reiner“ Malerei, die auch die unterschiedlichen Stimmungen der Künstlerin widerspiegeln. Zentral an diesen Gemälden sind die genau durchdachten Kompositionen, die nachdrückliche Reduktion auf Umriss und Fläche sowie die raffinierten, sich gegenseitig verstärkenden Farbwirkungen, die in Summe einen geheimnisvoll vibrierenden Bildraum generieren.