fine art contemporary
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Oskar Kokoschka

1886 Pöchlarn - 1980 Montreux

Biographie  Email

Selbstbildnis von zwei Seiten als Maler 1923

Plakat
Farblithografie
125,5 x 88,2 cm (Druckgröße) 128 x 90,5 cm (Blattgröße)
Bezeichnet und datiert im Druck: O. Kokoschka Sept. Okt. (19)23 geöffnet 9-12 und 2-6 sonntags 10-12 Uhr Kunstsalon Wolfsberg 109 Bederstr. Zürich 2 "Wolfsberg" Zürich

Literatur

Hans M. Wingler, Friedrich Welz, Oskar Kokoschka. Das druckgraphische Werk, Salzburg 1975, Wkv.Nr. 164, m. Abb. S. 145
Preis auf Anfrage!

Langtext

Oskar Kokoschka – Universalkünstler, Weltenbürger, „enfant terrible“ und einer der Väter des österreichischen Expressionismus – wurde 1886 in Pöchlarn in Niederösterreich geboren; seine Vorfahren väterlicherseits stammten aus einer Prager Goldschmiedefamilie. In Wien besuchte er von 1905 bis 1909 die Kunstgewerbeschule unter Carl Otto Czeschka und entwarf bereits in dieser Zeit Postkarten, Fächer und Vignetten für die Wiener Werkstätte. Auf der bahnbrechenden „Internationalen Kunstschau“ in Wien 1908 erregten seine malerischen Werke großes Aufsehen. In Wien unverstanden, reiste Oskar Kokoschka 1910 nach Berlin, um Herwath Waldens progressive Zeitschrift „Der Sturm“ zu unterstützen und sein berüchtigtes Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“ zu veröffentlichen. 1912, als Assistent an der Kunstgewerbeschule, begann sein turbulentes Liebesverhältnis mit Alma Mahler. Nach dem Scheitern der Beziehung meldete er sich bei Kriegsbeginn zum Militärdienst, wurde aber 1915 in Galizien schwer verwundet. Nach dem Krieg setzte sein internationaler Durchbruch ein und von 1919 bis 1924 wurde er als Professor an die Dresdener Akademie berufen. Im darauffolgenden Jahrzehnt unternahm Oskar Kokoschka ausgedehnte Reisen durch Europa, Nordafrika und Gebiete um das östliche Mittelmeer, die ihn zu zahlreichen Städteporträts und Landschaftsbildern inspirierten. Die politischen Ereignisse in Österreich veranlassten den Künstler 1934 schließlich dazu, seinen Wohnsitz nach Prag zu verlegen. 1937 wurden im Zuge der „Aktion Entartete Kunst“ zahlreiche Werke seiner Hand aus deutschen Museen entfernt und teils vernichtet. Aufgrund der immer prekärer werdenden politischen Situation emigrierte er 1938 nach London und erhielt 1947 die englische Staatsbürgerschaft. 1953 übersiedelte er nach Villeneuve am Genfer See, wo er, neben einer umfassenden Reisetätigkeit, hochgeschätzt und viel geehrt, seine letzten Lebensjahre verbrachte. Das für die Ausstellung im September und Oktober 1923 im renommierten Zürcher Kunstsalon Wolfsberg entworfene Plakat entstand in Anlehnung an das im selben Jahr ebenfalls als Kreidelithografie geschaffene „Selbstbildnis von zwei Seiten“ . Der Künstler präsentiert sich mit leicht geneigtem Kopf im Halbprofil nach rechts gewandt, allerdings wird diese Selbstdarstellung um die Brustpartie sowie den linken Arm des Malers erweitert und auch der Blick richtet sich nun direkt an den Betrachter. Die aus der Kopfneigung resultierende Diagonale verbindet in dynamischer Weise die Schriftzüge ober- und unterhalb des Porträts. Der vertikal angeordnete Arm mit dem im rechten Winkel dazu gehaltenen Pinsel, der den Künstlernamen mit dem Ausstellungsdatum zusammenfügt, gibt der Darstellung des Künstlers Halt und verknüpft Wort und Bild auf höchst originelle Weise. Durch die in der unteren Gesichtshälfte (vom Kinn bis zur Nasenwurzel) eingezeichnete markante Profilkontur erscheint die Abbildung zumindest teilweise als Simultandarstellung von Halbprofil und Profil. Ein Prinzip, das Kokoschka zum ersten Mal im Jahr 1910 im so genannten „Sturmplakat“ anwendet, das ebenfalls den Künstler zeigt. Obwohl Oskar Kokoschka hier auf einen früheren Formenkanon zurückgreift, setzt dieses Werk den Schlusspunkt einer rasanten Entwicklung seines Zeichenduktus, die der Künstler in seinen Dresdner Jahren vollzieht. Thematisch gesehen konzentriert sich Kokoschka in dieser Zeit vor allem auf Porträts, ein Sujet, dass in seinem Oeuvre bis dahin fast ausschließlich der Malerei vorbehalten war. So passt er seinen Kreidestrich zunehmend den charakteristischen und persönlichkeitsgebundenen Wesenszügen der Porträtierten an. Sein Abschied von Dresden 1924 markiert neben dem biografischen Wendepunkt gleichzeitig das vorläufige Ende seines grafischen Schaffens, als dessen Höhepunkt sicherlich das vorliegende Plakat zu werten ist.