fine art contemporary
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Emil Nolde

1867 Nolde - 1956 Seebüll

Biographie  Email

Abendstimmung am See 1925/1930

Aquarell und Tusche auf Japanpapier
34,7 x 48 cm
Signiert links unten: Nolde.
Fotoexpertise von Prof. Manfred Reuther vom 23. Oktober 2012 liegt bei.

Provenienz

Galerie Valentien, Stuttgart; Privatsammlung Peru (seit 1953)

Literatur

Vgl.: Manfred Reuther, Nolde Stiftung Seebüll (Hg.), Emil Nolde. Mein Garten voller Blumen, Seebüll-Köln 2014, S. 62 ff.; Agnes Husslein-Arco, Stephan Koja (Hg.), Emil Nolde. In Glut und Farbe, Ausstellungkatalog, Unteres Belvedere, Wien 2013/2014, Abb. S. 210 ff.; Manfred Reuther (Hg.), Emil Nolde, Seebüll-Köln 2010, Abb. S. 13 ff., S. 113 ff.
Preis auf Anfrage!

Langtext

Neben den wundervollen Blumenbildern Emil Noldes gibt es auch Landschaftsbilder, die durch ihre geheimnisvolle Dramatik und außergewöhnlichen Lichtstimmungen beeindrucken. Besucher der Londoner Tate Gallery sind vielleicht schon dem imposanten Gemälde „Meer B“ von 1930 begegnet, das einen trotz seiner auf den ersten Blick reduzierten Farbigkeit in den Bann zu ziehen weiß, oder haben in einer der zahlreichen Ausstellungen seine teils aufgewühlten, teils meditativen Meeresbilder bewundert. „Noldes Landschaften... lassen sich in die Tradition einer nordischen Romantik einordnen, die die menschlichen Seelenlandschaften im Spiegel einer mal erhabenen, mal melancholischen, mal bedrohlichen Natur zu erfassen sucht.“ Auch vorliegendes Aquarell „Abendstimmung am See“ gehört zu diesen außergewöhnlichen Landschaftskompositionen. Es ist spät geworden und die letzten Boote streben dem sicheren Ufer zu. Am Himmel kann man zwischen dunklen Wolken noch das intensive Gelb der letzten Sonnenstrahlen leuchten sehen, die an manchen Stellen auch in der spiegelglatten Wasseroberfläche reflektieren. Der leicht gewölbten Uferlinie entlang lagern parallel Hügel- und Bergketten und ragen in den Abendhimmel. Hier werden die vorherrschenden Blautöne von Grün und ins Braun changierenden Rottönen unterwandert, auch das Gelb des Himmels taucht an unvermuteter Stelle als freigelassener Bildgrund auf und zeigt einmal mehr die Meisterschaft Emil Noldes in der schwierigen Aquarellmalerei, die keine Fehler verzeiht und Nachbesserungen unmöglich macht. Hier muss jeder Pinselstrich sitzen. Die schwarzen, mit Tusche gezogenen Umrisslinien, die den Uferverlauf und die Landschaftsebenen eingrenzen, hat der Künstler wohl nachträglich mit „der Feder über eine freie Farbkomposition gelegt“ . Denn es ist ihm wichtig, dass sich während des Malens „die Zeichnung aus den Farben entwickelt“, dass „Zeichnen und Malen ungeteilt ein Vorgang sind“ . Emil Nolde gehört zweifellos zu jenen Künstlern, die „die Kunst Europas bedeuten“ und „in unauslöschlicher Weise die Spur ihres Geistes der Gesamtentwicklung eingeprägt haben“ .