fine art contemporary
Artur-Nikodem

Artur Nikodem - Biografie

1870 Trient - 1940 Innsbruck

Artur Nikodem wurde 1870 als Sohn des in Trient stationierten österreichischen Offiziers Hugo Nikodem und der aus venezianischem Adel stammenden Luisa de Bonamico geboren. Von 1885 bis 1888 absolvierte er die Oberrealschule in Innsbruck;  danach besuchte er - gegen den Willen seiner Eltern - die Münchner Akademie unter Franz von Defregger und Wilhelm Kaulbach. Es folgten Studienjahre in Mailand und in Florenz. Seine Militärzeit 1889/90 bei der k.u.k. Marine führte den jungen Künstler quer durch die Adria, das südliche Mittelmeer in die Levante und bis nach Ägypten. Es war diese Dienstzeit, die spannende Begegnung mit fremden Kulturen und südlichem Licht, die für Artur Nikodem zu einer wahren „Schule des Sehens“ geworden ist, nachhaltiger als die Studienaufenthalte an der Münchner und Mailänder Akademie. Im Jahr 1892 hielt sich der Künstler in Paris, im „Mekka“ der europäischen Kunst auf, wo er sich mit den aktuellen Strömungen der zeitgenössischen Malerei auseinandersetzte. Nach dem Tod des Vaters 1892 trat er - um dem Wunsch seiner Familie nach einer soliden bürgerlichen Existenz zu entsprechen - in den staatlichen Postdienst ein und zog 1893 nach Meran, wo er 14 Jahre verbrachte. Er ist, nach der ironischen Bezeichnung von Albin Egger-Lienz - der jedoch die Kunst Artur Nikodems sehr schätzte - der erste und berühmteste jener „malenden Postbeamten“ Tirols. Nach seiner vorzeitigen Pensionierung vom Postdienst 1920 widmete er die folgenden zwei Jahrzehnte ausschließlich und mit großer Leidenschaft seiner Malerei sowie der Fotografie, die er mit großem Erfolg auf zahlreichen deutschen und österreichischen Ausstellungen präsentierte. Artur Nikodems Schaffen ist heute zentraler Bestandteil der Tiroler Moderne der Zwischenkriegszeit, die geprägt ist von der Auseinandersetzung mit den neuen Strömungen der Münchner Szene und dennoch der Tradition der Tiroler Landschaftsmalerei verhaftet ist. Die Wurzeln seiner Malerei liegen aber auch im Wiener Jugendstil und im Secessionismus. Im Nationalsozialismus wird er aus verschiedenen Künstlervereinigungen ausgeschlossen, seine Kunst für „entartet“ erklärt. Teile seines Werkes werden in Nürnberg zerstört. Seine malerische Tätigkeit kann er nach dem Anschluss nur zurückgezogen und ohne Ausstellungsmöglichkeit ausüben. Artur Nikodem begibt sich in eine Art „innere Emigration“, nur ihm sehr Nahestehende haben die Möglichkeit, seine Arbeiten zu sehen. Nach seinem Tod 1940 verwaltet seine Witwe Barbara den Nachlass. 1952 wird in Innsbruck die letzte große Gedächtnisausstellung veranstaltet. Erst wieder 1990, anlässlich des 50. Todestages des Künstlers, initiiert die Stadtturm-Galerie in Innsbruck eine Ausstellung mit Werken des Künstlers. Im Jahr 2000 wurde das Schaffen Artur Nikodems durch eine umfangreiche Ausstellung mit bedeutenden Leihgaben aus Museums- und Privatsammlungen im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck gewürdigt.

Artur-Nikodem
Motiv aus dem Orient 1916
Artur-Nikodem
Blühende Bäume 1913